Heidelberg Materials schließt den Betonkreißlauf in Greenwich, während Ranville vor dem Aus steht
Heidelberg Materials setzt trotz des eingetrübten Branchenumfelds auf neue Wege in der Kreislaufwirtschaft. Am britischen Standort Greenwich in London hat das Unternehmen ein Verfahren erfolgreich nachgewiesen, bei dem kein Betonabfall entsteht. Zurückgeführte Gesteinskörnungen und Feinanteile werden erneut verwendet, während anfallendes Waschwasser direkt in den Herstellungsprozess zurückfließt. Ein geschlossener Kreislauf – zumindest an diesem Standort.
Parallel dazu steht das europäische Zementgeschäft vor Einschnitten. Das Zementwerk Ranville in der französischen Normandie soll geschlossen werden. Betroffen wären 87 Beschäftigte. Heidelberg Materials begründet den Schritt mit der konjunkturbedingt sinkenden Zementnachfrage in Frankreich sowie mit der Optimierung des europäischen Produktionsnetzwerks.
Gegenwind in Nordamerika, Druck auf die Aktie
Für das Geschäft in Nordamerika rechnen Marktbeobachter mit Gegenwind. UBS senkte am 22. September das Kursziel für die Aktie auf 230 Euro, beließ die Einstufung aber bei „Buy“. Als Grund nannte die Bank eine schwächere Grundstimmung beim Zementabsatz in den USA. Jefferies bestätigte am selben Tag seine Kaufempfehlung.
An der Börse blieb die Lage dennoch angespannt. Die Aktie schloss am Freitag bei 144,80 Euro. Am Donnerstag war sie mit 142,60 Euro auf ein neues 52-Wochen-Tief gefallen. Anleger warten nun auf die Ergebnisse für das dritte Quartal 2026. Sie sollen zeigen, wie sich das operative Geschäft tatsächlich entwickelt – Papier ist geduldig, Beton eher nicht.
Käufe, Rückkauf und Optionen
Auch am Kapitalmarkt wurden mehrere Schritte umgesetzt. Vorstand René Aldach kaufte am Mittwoch 250 Aktien im Gesamtwert von 36.150 Euro. Im laufenden Aktienrückkaufprogramm erwarb Heidelberg Materials Mitte September 329.452 eigene Aktien.
Zusätzlich räumte die Spohn Cement Beteiligungen GmbH europäische Put-Optionen auf 300.000 Aktien mit Fälligkeit im Jahr 2027 ein. Das sind mehrere Signale auf einmal, die Anleger nun nebeneinanderlegen müssen.
Breites Themenfeld des Konzerns
Die Unternehmenswebsite führt neben den aktuellen Entwicklungen zahlreiche weitere Bereiche auf: Unternehmensprofil, Strategie, Führung, Governance, Compliance und Menschenrechte gehören ebenso dazu wie Standorte in Europa, Nordamerika, Asien-Pazifik sowie im Afrika-Mittelmeerraum-Westasien.
Hinzu kommen Unternehmensgeschichte, Publikationen und Geschäftsberichte sowie Informationen zu Beschaffung, Lieferanten und verantwortungsvoller Beschaffung. Die Geschäftsfelder reichen von Zement, Zuschlagstoffen, Transportbeton und Asphalt bis zu Konzernservice und Handel.
Bei den nachhaltigen Produkten nennt Heidelberg Materials evoZero und evoBuild. Außerdem verweist das Unternehmen auf Digitalisierung, Forschung, Entwicklung und Innovation. Für Anleger gibt es eigene Bereiche zu Investor Relations, Finanzberichten, Hauptversammlung, Aktien, Anleihen und Ratings.
Auch Nachhaltigkeit, Dekarbonisierung, CCUS, Kreislaufwirtschaft sowie ökologische und gesellschaftliche Verantwortung sind als Themenbereiche aufgeführt. Arbeitssicherheit, Gesundheitsschutz, Vielfalt, Talentmanagement und ESG kommen dazu; ebenso Karriere sowie Presse- und Medienangebote. Konkrete Nachrichten, Ereignisse oder Unternehmenszahlen enthält dieser Website-Text allerdings nicht.
Für die Baustoffbranche bleibt damit ein Spannungsfeld: In Greenwich wird an einem Herstellungsprozess ohne Betonabfall gearbeitet, während in Frankreich Kapazitäten zur Disposition stehen und die Nachfrage in den USA schwächer eingeschätzt wird. Wie belastbar die Kreislaufwirtschaft im großen Maßstab ist und wie sehr die Marktlage auf die Zahlen drückt, dürfte sich mit den Ergebnissen des dritten Quartals 2026 zeigen.
