Stark Deutschland bündelt Geschäftsentwicklung und M&A unter Dr. Fabian Hofmann
Stark Deutschland richtet sein Geschäft strategisch neu aus: Zum 1. Oktober übernimmt Dr. Fabian Hofmann die neu geschaffene Position des Director Business Development. Die Personalentscheidung fällt am 29.09.2026 und soll die stärkere Ausrichtung des Unternehmens auf den Vertrieb flankieren.
Hofmann verantwortet künftig die strategische und operative Geschäftsentwicklung, die Weiterentwicklung des Standortnetzwerks und sämtliche M&A-Aktivitäten. Außerdem fungiert er als Schnittstelle zur StarkK Group. Die Aufgaben werden damit in einer Funktion gebündelt – ein Zuschnitt, der im Baustoffhandel einiges an Bewegung verspricht.
Erfahrung aus Strategie und Industrie
Nach Angaben des Unternehmens bringt der 40-Jährige mehr als 15 Jahre Erfahrung in der Strategieentwicklung, der Steuerung von M&A-Prozessen und in Transformationsprozessen für große und mittelständische Unternehmen im internationalen Umfeld mit. Seit 2010 war Hofmann für McKinsey & Company tätig, zuletzt als Associate Partner.
Dort leitete er Strategie-, M&A- und Transformationsprozesse, insbesondere in der Automobil-, Stahl- und Maschinenbauindustrie. Hofmann promovierte im Fach Management. Er sagt, Stark Deutschland könne als Marktführer die Entwicklung des deutschen Baustoffhandels mitgestalten. Seine Erfahrung wolle er in die Transformation und strategische Geschäftsentwicklung einbringen.
Dr. Marc Baumgartner, Vorsitzender der Geschäftsführung von Stark Deutschland, begründet die neue Funktion mit der stärkeren Ausrichtung des Unternehmens auf den Vertrieb. Prozesse, Abläufe und Strukturen würden dafür so angepasst, dass sie den Vertrieb besser unterstützen. Das Standortnetzwerk, die Geschäftsentwicklung, M&A und die Verbindung zur StarkK Group liegen künftig also näher beieinander.
Ein Baustoffhändler mit langer Vorgeschichte
Die Stark Deutschland GmbH ist eine Gesellschaft mit beschränkter Haftung und hat ihren Sitz in Offenbach am Main. Das Unternehmen gehört zur Branche Baustoffhandel, betreibt rund 270 Niederlassungen und beschäftigte im Geschäftsjahr 2023/24 insgesamt 5.328 Mitarbeitende. Der Umsatz lag bei 2,209 Milliarden Euro. Diese Unternehmensdaten haben den Stand 31. Juli 2024. Die Website lautet www.stark-deutschland.de.
Stark Deutschland ist die deutsche Geschäftseinheit der dänischen Stark Group mit Sitz in Kopenhagen. Entstanden ist das Unternehmen zum 1. Oktober 2019 durch die Übernahme der Saint-Gobain Building Distribution Deutschland GmbH durch die Stark Group. Damals gehörte die Stark Group dem Investmentunternehmen Lone Star; im Januar 2021 wurde sie an CVC Capital Partners verkauft.
Die Wurzeln reichen allerdings deutlich weiter zurück. Die Unternehmensgeschichte beginnt mit Raab Karcher im Jahr 1848. 2000 übernahm die französische Compagnie de Saint-Gobain Raab Karcher vollständig. Acht Jahre später entstand die Saint-Gobain Building Distribution Deutschland GmbH, kurz SGBDD, als Dachgesellschaft verschiedener Baustoffhandelsmarken. Unter ihr wurden unter anderem Raab Karcher, Keramundo und Muffenrohr zusammengeführt. 2015 wechselte der Hauptsitz von Frankfurt am Main nach Offenbach am Main.
Ab 2021 wurde das Wachstum über weitere Übernahmen ausgeweitet: In diesem Jahr kam Melle Gallhöfer Dach hinzu, 2022 folgten die Tröger-&-Entenmann-Unternehmensgruppe und die Waiblinger-Konz-Gruppe.
Vom Rohbau bis zur Photovoltaik
Zum Geschäft gehören der Vertrieb von Baustoffen und damit verbundene Dienstleistungen. Das Sortiment reicht vom Roh- und Hochbau über Trockenbau sowie Garten- und Landschaftsbau bis zu Baugeräten, Werkzeugen und Arbeitskleidung. Auch Fliesen und Bodenbeläge, Dach und Fassade, Photovoltaik sowie Tiefbau gehören dazu – einschließlich Versorgung, Entsorgung und Oberflächenbau. An den deutschen Standorten werden außerdem verschiedene Eigenmarken angeboten.
Bei den Fachhändler-Marken stehen Raab Karcher, gegründet 1848, und Keramundo, gegründet 1993, für Baustoff- beziehungsweise Fliesenfachhandel. Die Balzer Gruppe wurde 1909 gegründet und ist im Baufachhandel tätig; Stark Deutschland hält daran eine Minderheitsbeteiligung. Muffenrohr, gegründet 1918, ist im Tiefbauhandel aktiv. Melle Gallhöfer wurde 2017 gegründet und konzentriert sich auf Dach- und Fassadenhandel.
Die Eigenmarke Kermos umfasst Fliesen, Bodenbeläge, Wandverkleidungen und Akustikpaneele für die Innenraumausstattung. Terralis steht für Produkte im Garten- und Landschaftsbau, darunter Terrassendielen, Platten, Pflasterserien, Zaunsysteme, Verlegesysteme und Mörtel. Raw liefert professionelle Baumaterialien für Dach-, Tiefbau-, Hochbau- und Ausbauarbeiten. Raptor ergänzt das Angebot mit Werkzeugen und Ausstattung für Handwerker.
Beratung, Logistik und Bauen in Modulen
Unter der „Plattform des Bauens“ verbindet Stark Deutschland Baustoffhandel mit Beratung, Logistik und der Vernetzung externer Partner. Dazu zählen unter anderem Handwerksbetriebe, Energieberater und Architekten. Hersteller, Planer, ausführende Unternehmen und Bauherren sollen dabei zusammenfinden. Das klingt zunächst nach digitalem Netzwerk, hat aber eine sehr praktische Seite: Material, Transport und Ansprechpartner müssen auf der Baustelle schließlich zusammenpassen.
Ein Bestandteil ist die Plattform „Welt der Sanierung“. Sie informiert über energetische Sanierung, berät bei der Beantragung von Fördermitteln und vermittelt zwischen Kunden und Fachunternehmen.
Auch im modularen Bauen ist Stark Deutschland unterwegs – direkt auf Baustellen, also „Onsite“, ebenso wie bei der Belieferung von Fertigungsstätten, dem „Offsite“-Bereich. Das Unternehmen liefert Baustoffe für die industrielle Vorfertigung von Bauelementen und Modulen. Für Modulbauunternehmen übernimmt es Materialbeschaffung, Logistik und Organisation, koordiniert Lieferanten, vermittelt Nachunternehmer für Montagearbeiten und begleitet Bauprojekte.
Ökostrom, Umweltdeklarationen und ein großer Markt
Bei der Nachhaltigkeit orientiert sich Stark Deutschland an den Zielen der Stark Group. Zu den Maßnahmen zur CO₂-Reduktion zählen emissionsärmere Fahrzeugantriebe und die Umstellung von Standorten auf Ökostrom. Ende 2021 bezogen 95 Prozent der deutschen Niederlassungen Ökostrom. Konzernweit ist vorgesehen, die Treibhausgasemissionen bis 2050 auf Netto-Null zu senken.
Seit August 2024 stellt Stark Deutschland gemeinsam mit dem Institut Bauen und Umwelt, IBU, mehr als 5.000 Umweltproduktdeklarationen, kurz EPDs, im Onlineshop bereit. Sie enthalten Angaben zu den Umweltauswirkungen von Baustoffen über den gesamten Lebenszyklus. Bauherren, Planer und Handwerksbetriebe sollen damit bei der Planung nach Nachhaltigkeitsstandards und bei der Beantragung staatlicher Fördermittel unterstützt werden. Im November 2022 unterzeichnete die Geschäftsführung außerdem die Charta der Vielfalt.
Der Markt, in dem Stark Deutschland seine neue Geschäftsentwicklung vorantreibt, ist breit aufgestellt. Baustoff-Fachhändler reichen von großen Handelsbetrieben bis zu kleinen Unternehmen und werden gemeinsam mit Baumärkten und Gartencentern dem DIY-Kernmarkt zugeordnet. Gehandelt werden unter anderem Dämmstoffe, Fliesen, Fassadenputze, Baumetalle, Natursteine und Bauholz – für Innen- und Außenbereiche sowie für Trocken-, Tief- und Hochbau.
Die Umsätze im Baustoffhandel sind in den vergangenen Jahren gestiegen. 2022 erreichten sie mit rund 20,4 Milliarden Euro einen bisherigen Rekordwert; der Großteil entfiel auf gewerbliche Kunden. Veröffentlicht wurden diese Angaben vom Statista Research Department am 17.12.2025. In diesem Umfeld übernimmt Fabian Hofmann nun eine Aufgabe, bei der es nicht nur um Pläne auf Papier geht, sondern um Niederlassungen, Lieferketten, Übernahmen und den täglichen Druck im Vertrieb – also um ziemlich viel Baustellenluft auf einmal.
