Heidelberg Materials zwischen Aktienrückkauf, Peru-Expansion und holprigem Klimakurs
Bei Heidelberg Materials liegen derzeit mehrere Nachrichten übereinander – Aktienrückkauf, Peru-Geschäft, Insider-Transaktion und die große Frage, wie schnell der Baustoffkonzern den Weg zur Klimaneutralität schafft. An der Börse ging es zuletzt spürbar hin und her. Die Aktie stieg gestern um 1,0 Prozent auf 160,95 Euro und beendete damit eine volatile Handelswoche mit einem Kursgewinn.
Die Erholung steht allerdings auf wackeligem Boden. Am Dienstag hatte der Kurs bei 154,40 Euro sein 52-Wochen-Tief erreicht. Nach dem Anstieg liegt die Aktie wieder darüber. Die Marktkapitalisierung des DAX-Konzerns beträgt derzeit 27,74 Milliarden Euro.
Put-Optionen aus dem Umfeld des Aufsichtsrats
Aufmerksamkeit zog eine außerbörsliche Transaktion der Spohn Cement Beteiligungen GmbH auf sich. Die Gesellschaft, die dem Aufsichtsrat Ludwig Merckle nahesteht, verkaufte europäische Put-Optionen auf 300.000 Heidelberg-Materials-Aktien. Der in dieser Meldung genannte Basispreis beträgt 126,296 Euro, die Optionen laufen im März 2027 aus. Das Transaktionsvolumen liegt bei rund 1,62 Millionen Euro.
Eine weitere Meldung nennt ebenfalls Put-Optionen auf 300.000 Aktien, diesmal mit einem Basispreis von 115,3263 Euro und einer Fälligkeit am 19. März 2027. Verkäuferin war wiederum die Spohn Cement Beteiligungen GmbH. Die unterschiedlichen Angaben zu Basispreis und Transaktionsdetails stehen damit nebeneinander.
Parallel kaufte Heidelberg Materials im Rahmen seines Aktienrückkaufprogramms vom 14. bis 18. September 329.452 eigene Aktien zurück. Dafür flossen rund 49,03 Millionen Euro. Der durchschnittliche Kaufpreis lag bei 148,83 Euro je Aktie.
Peru erweitert das Geschäft in Lateinamerika
Operativ setzte der Konzern am 8. September ein Zeichen: Heidelberg Materials meldete die Übernahme von 70 Prozent am peruanischen Zementhersteller Cementos Inka. Mit der Beteiligung erweitert das Unternehmen seine Kapazitäten und seine Marktpräsenz in Lateinamerika. Gerade in einem Baustoffgeschäft, das stark von regionaler Nachfrage und Infrastrukturprojekten abhängt, ist das kein kleiner Nebensatz.
Der Blick auf den Aktienkurs bleibt trotzdem ernüchternd. Am Freitag schloss das Papier bei 144,80 Euro. Seit Jahresbeginn liegt die Aktie damit rund 35 Prozent im Minus. Jefferies bestätigte am Dienstag die Kaufempfehlung und ein Kursziel von 286 Euro. UBS senkte ihr Kursziel von 260 auf 230 Euro, behielt aber die Einstufung „Buy“ bei. Beide Analysehäuser sehen damit deutliches Aufwärtspotenzial für die Aktie.
Industrie, Anleihen und Konkurrenzdruck
Für Rückenwind könnte die deutsche Industrie sorgen. Der Einkaufsmanagerindex der deutschen Industrie stieg im August auf 54,1 Punkte und erreichte damit den höchsten Stand seit mehr als vier Jahren. Für Heidelberg Materials ist das relevant, weil eine stabilere Baukonjunktur die Nachfrage nach Baustoffen beeinflussen könnte. Noch ist daraus kein voller Aufschwung zu basteln, aber die Zahl fällt auf.
Im Wettbewerbsumfeld übernimmt Holcim den deutschen Hersteller Fermacell für 840 Millionen Euro. Der Markt bleibt also in Bewegung, während Heidelberg Materials zugleich am Anleihenmarkt aktiv ist. Die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen stieg auf 3,27 Prozent – den höchsten Stand seit 2011. Unternehmensanleihen von Heidelberg Materials gehören weiterhin zu den gehandelten Titeln.
Der lange Weg zur Klimaneutralität
Die Transformation zur Klimaneutralität bleibt ein langfristiges Unternehmensthema. Beim Ausbau der CO₂-Abscheidung gibt es allerdings Verzögerungen: Das CCS-Projekt von Heidelberg Materials im kanadischen Edmonton wurde vor wenigen Tagen verschoben.
Der politische Rahmen wächst derweil weiter. Der EU Net-Zero Industry Act sieht bis 2030 eine jährliche CO₂-Injektionskapazität von 50 Millionen Tonnen vor. Das niederländische CCS-Projekt Porthos soll in der zweiten Hälfte 2027 starten. Für einen Konzern wie Heidelberg Materials bedeutet das: Investitionen, Infrastruktur und Genehmigungen müssen zusammenpassen – und zwar nicht irgendwann, sondern in einem ziemlich engen Zeitfenster.
Am Aktienmarkt treffen damit mehrere Takte aufeinander: eine Erholung über dem 52-Wochen-Tief, ein Rückgang von rund 35 Prozent seit Jahresbeginn, neue Kapazitäten in Peru, Rückkäufe eigener Aktien und der teure, gelegentlich holprige Umbau Richtung Klimaneutralität. An Baustellen mangelt es dem Konzern wahrlich nicht.
