Im Kanton Luzern fielen 2025 rund 172’000 Tonnen Siedlungsabfälle an. Das ist beinahe gleich viel wie im Jahr davor: Gegenüber 2024 ging die Menge lediglich um 240 Tonnen zurück. Pro Kopf waren es 393 Kilogramm – davon 203 Kilogramm Hauskehricht und 190 Kilogramm separat gesammelte Abfälle.

Die 79 Luzerner Gemeinden sammelten knapp 88’900 Tonnen Hauskehricht inklusive Sperrgut. Diese Menge nahm um 1’400 Tonnen zu. Gleichzeitig gingen die separat gesammelten Abfälle um 1’600 Tonnen auf rund 83’100 Tonnen zurück. Auf den ersten Blick sind das nur Zahlenkolonnen. Hinter ihnen stehen aber volle Container, Kehrichtwagen auf ihren täglichen Routen und jede Menge Material, das irgendwo sortiert, verbrannt, kompostiert oder wieder verbaut werden muss.

Weniger biogene Abfälle verwertet

Überraschend ist vor allem die Entwicklung bei den biogenen Abfällen. Entgegen dem langjährigen Trend sank die verwertete Menge um rund 4’400 Tonnen auf 128’700 Tonnen. Im Jahr 2025 waren im Kanton Luzern 27 Anlagen zur Verwertung biogener Abfälle in Betrieb. Rund 77 Prozent des Materials wurden in den drei industriellen Vergärungs- und Kompostierungsanlagen verarbeitet.

Auch beim Bauschutt bewegte sich einiges. Rund 426’000 Kubikmeter Recyclingbaustoffe wurden aufbereitet und als Baumaterial eingesetzt. Gegenüber dem Vorjahr entspricht das einem leichten Plus von 7’000 Kubikmetern. Ausschlaggebend waren hauptsächlich höhere Mengen an Recycling-Kiessand P – unspektakulär im Namen, aber nützlich, wenn aus altem Material wieder Baustoff werden soll.

Auf Deponien des Typs B landeten rund 131’000 Festkubikmeter Material. Das war etwa ein Drittel weniger als im Vorjahr und lag deutlich unter dem Durchschnitt der vergangenen zehn Jahre. Warum die Ablagerungen so stark zurückgingen, lässt sich laut LUSTAT nicht eindeutig feststellen.

Sonderabfälle nach Grossprojekten wieder auf normalem Niveau

Bei den Sonderabfällen beziehen sich die verfügbaren Zahlen auf das Jahr 2024: Damals fielen im Kanton Luzern 82’600 Tonnen an, 38’000 Tonnen weniger als im aussergewöhnlich hohen Vorjahr. Der starke Anstieg 2023 war hauptsächlich auf zwei Grossprojekte auf belasteten Standorten zurückzuführen. Nach deren Abschluss lag die Sonderabfallmenge 2024 wieder im Durchschnitt der Jahre 2019 bis 2022.

Siedlungsabfälle sind dabei nicht alles, was auf einer Waage bei Entsorgungsbetrieben landet. Dazu zählen Kehricht aus Haushalten sowie ähnlich zusammengesetzter Kehricht aus Industrie- und Gewerbebetrieben. Produktionsabfälle, Bauabfälle, Klärschlamm und Sonderabfälle wie Batterien gehören nicht dazu.

Schweizweit bleibt Recyclingquote bei 52 Prozent

Der Blick über Luzern hinaus zeigt eine deutlich grössere Dimension. Das Bundesamt für Umwelt veröffentlicht jährlich eine nationale Abfallstatistik zur Sammlung, Verbrennung und Wiederverwertung. 2024 fielen in der Schweiz rund 6 Millionen Tonnen Siedlungsabfälle an – dreimal mehr als 1970.

Bevölkerungswachstum, höherer Konsum pro Kopf und die zunehmende Verbreitung kurzlebiger Produkte und Verpackungen treiben diese Entwicklung. Gleichzeitig wurde die Entsorgungsinfrastruktur ausgebaut. Viele Materialien, die heute separat gesammelt und recycelt werden, wären 1970 noch verbrannt oder deponiert worden.

Von den 6 Millionen Tonnen Siedlungsabfällen wurden 2,9 Millionen Tonnen in Kehrichtverbrennungsanlagen verbrannt. Weitere 3,1 Millionen Tonnen wurden separat gesammelt und recycelt. Die Recyclingquote lag damit 2024 bei 52 Prozent und bestätigte den Trend der vergangenen Jahre.

Bei Getränkeverpackungen wurden die gesetzlichen Mindestvorgaben eingehalten: Glas erreichte eine Recyclingquote von 100 Prozent, Getränkedosen aus Aluminium 90 Prozent und PET-Getränkeflaschen 84 Prozent. Die gesetzliche Vorgabe liegt bei 75 Prozent. Bei Glasgetränkeverpackungen wird sogar eine Verwertungsquote von mehr als 100 Prozent ausgewiesen. Das klingt erst einmal nach einem Rechenfehler, hat aber nachvollziehbare Gründe: Altglas fällt zeitlich später an als der Absatz der Getränkeverpackungen, ausserdem kann Feuchtigkeit im Sammelgut dessen Gewicht erhöhen und die verwertete Menge rechnerisch überschätzen.

Pro Person wurden durchschnittlich rund 130 Kilogramm Papier und Karton recycelt. Die Recyclingquote für Papier und Karton betrug 85 Prozent. Bei Batterien sank sie hingegen von 38 Prozent im Jahr 2023 auf 35 Prozent im Jahr 2024. Ursache ist der stark steigende Absatz von Lithium-Ionen-Batterien. Sie halten länger als herkömmliche Batterien und gelangen deshalb verzögert ins Recycling.

Weniger Abfall beginnt vor dem Container

Trotz hoher Recyclingquoten verursacht die grosse Abfallmenge erhebliche Umweltbelastungen, vor allem durch den Ressourcenverbrauch. Die im Jahr 2024 im Rahmen der parlamentarischen Initiative «Schweizer Kreislaufwirtschaft stärken» neu festgelegte Abfallhierarchie setzt deshalb vier Prioritäten: Abfallvermeidung, Wiederverwendung, Recycling und erst danach die thermische Verwertung, etwa in einer Kehrichtverbrennungsanlage.

Für die Bauwirtschaft ist der Gedanke durchaus greifbar. Rund 426’000 Kubikmeter aufbereitete Recyclingbaustoffe aus Luzerner Bauschutt zeigen, dass aus Rückbau nicht zwangsläufig nutzloser Rest werden muss. Und während in Luzern die Deponiemengen des Typs B kräftig zurückgingen, bleibt offen, welche einzelnen Veränderungen dahinterstecken. Sicher ist nur: Am Ende entscheidet sich Kreislaufwirtschaft nicht allein in grossen Anlagen, sondern auch dort, wo Material getrennt, geprüft und wieder eingesetzt wird.